• Marcus Weiden

Rumänien: Timisoara

Updated: Jan 1

Unser erster Stop in Rumänien. Die angebliche westlichste Stadt Rumäniens.


Wir kommen am späten Nachmittag in der Stadt an und finden extrem heruntergekommene Straßenzüge vor. Es sieht wenig einladend aus und auf Grund vielen Gewichtsbeschränkungen kommen wir mit unseren 12,5 Tonnen nicht an den ausgesuchten Parkplatz bei park4night. Die elektronische Versorgung hängt außen an den Gebäuden und da diese ziemlich alt ist, hängt sie nicht gerade besonders hoch. An jeder zweiten Ecke müssen wir die Richtung abrupt ändern da die Kabel zu niedrig hängen oder Äste im Weg sind.

Wir geben auf und entscheiden uns für einen Campingplatz von dem aus ich mit der Brixton in die Innenstadt fahren kann. Der Platz ist schnell gefunden und sieht ziemlich verwaist aus. Da wir nun nach 20 Uhr haben ist das Tor bereits geschlossen und ein älterer gruseliger Mann kommt winkend auf mich zu. Nicht freundlich winkend sondern wild gestikulierend. Ich vermute ich soll wieder fahren. Ernsthaft? Der Platz ist fast leer und riesengroß. Warum sollte mein MAN nicht darauf passen?

Nach einem kurzen Gespräch steht fest er möchte einfach den doppelten Preis haben und zusätzlich einen Zuschlag für die Uhrzeit. Ich bedanke mich höflich und entscheide mich dagegen. In der Nähe des Zoos gibt es ein Restaurant wo wir Abendessen und dann auch dort über Nacht stehen bleiben dürfen. Das Geld war hier eindeutig besser investiert. Wir bekommen das erste mal landestypisches Essen serviert und sind 24h später noch immer satt :-)


Am nächsten morgen fahren wir mit dem Truck in die Nähe der Innenstadt, parken in einer Seitenstraße und gehen zu Fuß auf Erkundungstour. Wow! Die Stadt hat mich in wenigen Minuten gefangen. Wunderbare Altbauten teilweise komplett saniert und mittendrin das Leben einer modernen weltoffenen Stadt. Hier fehlt es an nichts und trotzdem hat sich die Stadt etwas beschauliches bewahrt. Mein erster Stop ist der Vodafoneladen um mir eine lokale SIM-Karte zu holen. Für 150 GB Datenvolumen zahle ich nur 15Euro im Monat als Prepaid-Karte. Ich frage da vorsichtshalber noch mal nach, da mir das extrem günstig vorkommt. Aber ja, der Preis stimmt und ich habe jetzt gefühlt unendliches internet…


Und wie war nun Timisoara? Wunderschön!


Das ist ein großes Wort um es direkt beim ersten Halt in Rumänien zu verwenden aber tatsächlich ist Timisoara eine Stadt in der ich mich spontan wohl gefühlt habe. Ich mag Städte oder Stadtteile die sich mitten im Umbruch befinden. Auf der einen Seite die Ruinen der vergessenen Altbauten und mittendrin entsteht ein neuer Lebensstil durch eine sehr aktive Gründerszene in der Gastro, Design und Handwerk. Junge Firmen, die den günstigen Büroraum oder die Ladenlokale anmieten und ihnen langsam wieder Leben einhauchen. Immobilienbesitzer die motiviert wieder Geld in ihr Objekt investieren.



Timisoara ist eine Stadt mit historischer Bedeutung. In den vergangenen Jahrhunderten war die Stadt oft die erste, die technische Erfindungen oder gesellschaftliche Veränderungen übernommen hat. Hier gab es die erste elektronische Straßenbeleuchtung in Europa und vieles wurde hier bereits erprobt lange bevor Städte wir London, Paris oder Berlin es eingeführt haben.

Am 15 Dezember 1989 war Timisoara auch die erste. Hier erhob sich der Widerstand gegen das Ceausescu Regime. Dutzende Menschen wurde erschossen und trotzdem gaben die Menschen den Widerstand nicht auf und verbreiteten eine Aufbruchstimmung die wie eine Welle das ganze Land erfasst hat und schlussendlich zur Hinrichtung von Nicolae Ceausescu und seiner Frau Elena führte.


Mittlerweile ist Rumänien Teil der europäischen Union geworden und wenn man sich die zahlreichen EU-Flaggen ansieht, die immer direkt neben der Rumänischen hängen, dann würde ich sagen, man scheint hier Stolz auf die EU zu sein. Täuscht der Eindruck? Die nächsten Monate möchte ich gerne herausfinden und erleben wie die EU das Leben der Rumänen verändert hat. Wie Leben die Rumänen eigentlich nach dem Umbruch h des Regimes? Ehrlich gesagt weiß ich bisher nicht viel über Rumänien, dass für mich immer ein wenig das vergessenen Land am Rande der Eu ist. Umso mehr bin ich nun gespannt darauf, dieses Land zu entdecken




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